Kennst du das? In Workshops sollen Ideen bewertet werden – und plötzlich ist die Luft voller Zahlen, Punkte und Daumen. Rational, klar, messbar. Aber irgendetwas fehlt: Das Gefühl. Die Nuance. Das, was wir eigentlich spüren.
Genau hier setzen die Bewetterungskarten an. Statt mit Zahlen bewerten wir mit Wetter – einer Metapher, die wir alle kennen und die unser Körper unmittelbar versteht. Denn manchmal ist eine Idee nicht 7 von 10 Punkten, sondern einfach stürmisch mit Aussicht auf Wandel.
Die Bewetterungskarten nutzen die Kraft des Embodied Design: Sie laden ein, aus dem Bauch heraus zu spüren statt im Kopf zu grübeln. Es geht darum, auf die körperliche Resonanz zu hören – schnell, intuitiv, überraschend präzise.
Das Grundprinzip: Spüren, wählen, teilen
Die Anwendung ist denkbar einfach:
- Jede Person erhält ihr Set mit 9 Wetterkarten.
- Stille Reflexionsphase: Nimm dir Zeit, die Karten durchzugehen. Welches Wetter passt? Lass die Bilder und Begriffe auf dich wirken. Nicht überlegen – spüren. Dein Körper weiß oft mehr als dein Kopf.
- Karte wählen: Wähle aus dem Bauch heraus. Spontan. Ohne lange zu zögern. Es gibt kein Richtig oder Falsch – nur dein persönliches Wetter in diesem Moment.
- Sharing-Runde: Jede Person teilt ihre gewählten Wetterkarten und erzählt, warum diese Karte passt. Die Metapher öffnet Räume: Plötzlich sprechen wir über Atmosphären, Stimmungen und Nuancen – ehrlich und kreativ zugleich.
So gelingt der Einsatz der Bewetterungskarten
- Zeit geben und Ruhe schaffen
- Spüren braucht Raum. Hetze die Reflexionsphase nicht durch. Zwei, drei Minuten Stille können Wunder wirken.
- Wechselhaftes Wetter erlauben
- Manchmal passt nicht nur eine Karte. Das ist okay! Wer zwischen zwei Wetterlagen schwankt, darf beide zeigen. Auch das ist eine wichtige Aussage.
- Vertiefende Fragen stellen: Was genau macht es stürmisch für dich? oder Wo spürst du die Sonne? – solche Fragen helfen, die Metapher lebendig werden zu lassen und echte Insights zu gewinnen.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten im Workshop
Die Bewetterungskarten sind erstaunlich flexibel. Hier ein paar Inspirationen, wann und wie du sie einsetzen kannst:
Begrüßen und einstimmen
- Wie ist das Wetter heute? Eine wunderbare Art, im Workshop anzukommen. Jede Person wählt eine Karte, die ihre aktuelle Stimmung beschreibt. Das schafft Präsenz, Verbindung und gibt dir als ModeratorIn ein Gefühl für die Atmosphäre im Raum.
- Gesamtstimmung spüren: Alle legen gleichzeitig ihre Karten in die Mitte. Was zeigt sich? Herrscht einheitliches Wetter oder ein bunter Mix? Ein kraftvolles Blitzlicht ohne viele Worte.
Bewerten und reflektieren
- Ideen bewerten: Die klassische Anwendung: Nach einem Brainstorming oder einer Präsentation wählt jede Person für jede Idee (oder ausgewählte Ideen) eine Wetterkarte. So wird schnell sichtbar, wo Energie ist und wo es noch hakt.
- Konzepte reflektieren: Statt gefällt mir / gefällt mir nicht bekommt ihr ein differenziertes Bild: Ist das Konzept noch neblig? Kalt und starr? Oder schon hoffnungsvoll mit Regenbogen?
Perspektivieren
Bewettere dieselbe Sache aus unterschiedlichen Perspektiven für neue Einsichten und mehr Empathie:
- Wie sehe ICH das?
- Wie sieht es das TEAM?
- Wie würden unsere ZIELGRUPPEN es bewettern?
Zum Prozess-Check
- Zwischenreflexion: Wie läuft es gerade? Mittendrin im Workshop? Kurze Wetter-Runde! Das gibt dir als ModeratorIn wertvolles Feedback und der Gruppe die Chance, Luft abzulassen oder Energie zu würdigen.
- Projektphasen einzeln bewerten: Schaut gemeinsam auf ein Projekt: Wie war die Konzeptphase? Wie die Umsetzung? Wie ist jetzt der Abschluss? Die Wetterkarten machen die Reise sichtbar.
- Abschlussrunde: Wie gehe ich raus? Eine schöne Art, Workshops zu beenden. Jede Person wählt ihr Abschlusswetter – ein atmosphärischer Abschied, der nachhallt.
Probier es aus
Die Bewetterungskarten leben davon, dass du sie ausprobierst und deinen eigenen Rhythmus findest. Vertrau auf die Kraft der Metapher – und darauf, dass deine Teilnehmenden intuitiv verstehen, was gemeint ist.
Viel Freude beim Bewettern!

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