Haltungskarten

Stell dir vor, jemand fragt dich nach deiner Meinung zu einem Projekt. Du überlegst, wägst ab, suchst nach den richtigen Worten. Und währenddessen… verschränkst du die Arme. Oder lehnst dich zurück. Oder beugst dich interessiert nach vorn.

Dein Körper hat längst geantwortet.

Die Haltungskarten machen genau das sichtbar: Sie holen den Körper ins Denken. Statt nur im Kopf zu grübeln, fragen wir: Welche Haltung nehme ich eigentlich ein? – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Das Prinzip dahinter ist einfach und kraftvoll: Von der äußeren Haltung zur inneren Haltung. Unser Körper weiß oft mehr, als wir bewusst denken. Er zeigt Offenheit, Verschlossenheit, Jubel oder Zweifel – lange bevor wir es in Worte fassen können. Die Haltungskarten nutzen diese Weisheit des Körpers und machen sie zum Ausgangspunkt für Reflexion, Dialog und Erkenntnis


Das Grundprinzip: Sehen, spüren, verstehen

  1. Karte wählen oder ziehen: Schau dir die Haltungskarten an. Welche Haltung passt zu deiner aktuellen Stimmung? Zu deiner Einstellung zum Thema? Zu deiner Erwartung? Wähle intuitiv – aus dem Bauch heraus.
  2. Haltung einnehmen (optional, aber kraftvoll!). Hier wird’s spannend: Probier die Haltung körperlich aus. Steh auf, nimm die Position ein – jubelnd, verschlossen, nachdenklich. Was macht das mit dir? Was spürst du im Körper?
  3. Nachspüren: Was zeigt sich? Bleib einen Moment in der Haltung. Atme. Was verändert sich? Welche Gedanken, Gefühle oder Impulse tauchen auf? Der Körper gibt dir Hinweise, die rein kognitiv oft verborgen bleiben.
  4. Teilen und reflektieren: Im Austausch mit anderen wird’s besonders wertvoll: Ich habe ‚verschlossen‘ gewählt, weil… Die Haltung wird zum Gesprächsöffner – authentisch, metaphorisch und erstaunlich präzise.

Tipps für eine gelungene Anwendung

  • Von der Haltung zur Haltung: Spiel mit dem Doppelsinn des Wortes: Welche körperliche Haltung zeigt deine innere Haltung? Das Wortspiel macht den Zusammenhang greifbar und bringt oft ein Schmunzeln – und genau das lockert auf.
  • Zeit zum Nachspüren geben: Nach dem Wählen der Karte: nicht sofort weiterreden. Ein paar Momente lang die Haltung wirken lassen. Was zeigt sich? Welche Gedanken tauchen auf?
  • Unterschiedliche Intensitäten erlauben: Manche wollen die Haltung nur betrachten, andere sie körperlich ausprobieren. Beides ist wertvoll. Lass Raum für verschiedene Zugänge – ohne Druck.
  • Haltungswechsel erkunden: Manchmal ist es erhellend, verschiedene Haltungen zu vergleichen: Was wäre, wenn ich statt ‚verschlossen‘ ‚offen‘ wählen würde? Der Kontrast macht bewusst, wo man gerade steht – und wo man vielleicht hin möchte.
  • Vertiefende Fragen stellen: Was genau macht diese Haltung für dich passend? oder Wo spürst du das im Körper? – solche Fragen helfen, die Metapher lebendig werden zu lassen.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

  • Zur Einstimmung: Wie kommst du heute an? Ein Workshop beginnt – und jede Person wählt eine Haltungskarte, die zeigt, wie sie gerade da ist. Gestresst? Neugierig? Skeptisch? Die Karten schaffen Präsenz und geben dir als ModeratorIn ein Gefühl für die Ausgangslage im Raum.
  • Zur Themenannäherung: Deine Haltung zum Thema? Bevor ihr tief einsteigt: Welche Haltung nehmen die Teilnehmenden zum Thema ein? Offen? Zurückhaltend? Angespannt? Die Karten machen sichtbar, wo Energie ist – und wo vielleicht noch Klärungsbedarf besteht.
  • Zur Ideenbewertung: Welche Haltung nimmst du dazu ein? Statt Daumen hoch oder runter: Welche Haltung beschreibt, wie du zu dieser Idee stehst? Jubelnd? Zögerlich? Die Metapher gibt Raum für Nuancen und macht Bewertungen greifbar – ohne zu verletzen.
  • Zur Teamentwicklung: Welche Haltung brauchen wir? Spannende Frage für Teams: Welche Haltung wollen wir als Team einnehmen – zu einem Projekt, zu Veränderungen, zu unserer Zusammenarbeit? Die Karten werden zum Spiegel der Teamkultur und können Zielbilder sichtbar machen. Variante: Welche Haltung haben wir gerade? vs. Welche Haltung wollen wir haben? – der Unterschied zeigt den Entwicklungsweg.
  • Für Markt- und Kundenverständnis: Welche Haltung hat unsere Zielgruppe? Im Marketing oder in der Marktforschung: Versetzt euch in eure Kund*innen. Welche Haltung nehmen sie zu eurem Produkt, eurer Marke, eurem Thema ein? Die körperliche Metapher schafft Empathie und neue Perspektiven.
  • Zur Abschlussreflexion: Wie gehst du raus? Eine schöne Art, Workshops zu beenden: Jede Person wählt eine Haltung, die zeigt, wie sie den Workshop verlässt. Inspiriert? Nachdenklich? Erleichtert? Ein Abschluss, der nachhallt.

Probier es aus!

Die Haltungskarten laden dich ein, dem Körper zu vertrauen. Sie funktionieren intuitiv, schaffen Verbindung und öffnen Räume für Reflexion, die im rein Kognitiven oft verschlossen bleiben.

Also: Karte ziehen, spüren, reflektieren. Und staunen, was sich zeigt.

Viel Freude beim Entdecken!

Categories:

Tags:

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert